Geschichte der EEH

Geschichte der Emotionellen Ersten Hilfe

Die Ursprünge der Emotionellen Ersten Hilfe sind eng mit der Geschichte der Körperpsychotherapie verwoben. Die Erforschung des Wechselspiels von psychischen und körperlichen Vorgängen kann bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück verfolgt werden. Schüler des Begründers der Psychoanalyse, Sigmund Freud, begannen sich mit der Frage zu beschäftigen, wie seelische Erkrankungen sich im Körper des Menschen verankern und niederschlagen. Der Arzt und Psychoanalytiker Wilhelm Reich war der erste Forscher aus dieser Generation junger Psychoanalytiker, die studierten, wie die Unterdrückung und Verdrängung von Gefühlen körperlich verankert werden. Dabei erkannte er, dass die Blockierung des Gefühlsausdrucks, wie etwa der Trauer, sich als spezifische Muskel- und Gewebespannungen im Körper niederschlagen. Diese so genannten „Körperpanzerungen“ wurden als Verkörperung der psychischen Erkrankungen begriffen.

Wilhelm Reich entwickelte auf der Basis dieser Erkenntnisse ab Mitte der 30er Jahre eine körperorientierte Form der Psychotherapie. Ziel dieser Therapien war es, die vorhandenen Gefühlsblockaden aufzulösen und dem Menschen seine verschüttete Erlebnis- und Ausdrucksfähigkeit wieder zu eröffnen.

Ab Ende der 40er Jahre setzte Wilhelm Reich diese psychosomatischen Verfahren erstmals auch in der vorbeugenden Begleitung von Säuglingen und Kleinkindern ein. Hierbei untersuchte er, wie erste Störungen der emotionalen und körperlichen Selbstregulation der Babys durch frühzeitige Interventionen behoben werden können. In Zusammenhang mit diesen kurztherapeutischen Forschungen spricht Reich erstmals von emotionaler erster Hilfe („Emotional First Aid“).

Die jüngere Geschichte der EEH

Nach dem Tode Wilhelm Reichs im Jahre 1957 war es seine Tochter Eva Reich, welche sich den Gesundheitsforschungen ihres Vaters verschrieb. In ihrem Arbeitsmodell, welches sie „Sanfte Bioenergetik“ nannte, wurden die körperzentrierten Methoden gezielt im Feld der Vorbeugung eingesetzt. So entwickelte sie auf der Basis der therapeutischen Konzepte ihres Vaters eine sanfte Form der Babymassage, die so genannte „Schmetterlings-Babymassage“. Diese setzte sie speziell zur Förderung der frühen Eltern-Kind-Bindung ein. Ebenfalls nutzte Eva Reich die Arbeitsansätze, um während der Schwangerschaft, unter der Geburt oder in der Zeit des Wochenbetts unterstützend mit werdenden Vätern und Müttern zu arbeiten.
Ab 1992 begann der Diplompsychologe Thomas Harms die Verfahren der reichianischen Körperpsychotherapie mit den Erkenntnissen der Säuglings- und Bindungsforschung zu verbinden. Harms entwickelte neuere Ansätze für den Einsatzbereich der Krisenintervention, allen voran in der Arbeit mit Säuglingen und Eltern bei anhaltenden Regulations- und Bindungsstörungen in der ersten Zeit nach der Geburt. In den vergangenen zehn Jahren wurden die Methoden der EEH in weiteren Arbeitsfeldern erprobt. Hierzu gehören u. a. der Einsatz der Methoden in Geburtskliniken, der Begleitung von Eltern und Babys bei posttraumatischen Belastungsstörungen oder in der Arbeit mit älteren Kindern.

Mittlerweile wird die Emotionelle Erste Hilfe in vier europäischen Ländern (Deutschland, Schweiz, Österreich und Italien) an Fachleute aus den Bereichen der Frühprävention und Psychotherapie gelehrt.