Geschichte der Körperpsychotherapie

Geschichte der Körperpsychotherapie

Die Wurzeln der modernen Körperpsychotherapie gehen zurück auf die Arbeiten des Psychoanalytikers, Arzt und Naturforschers Wilhelm Reich (1897 – 1957). Als Schüler des Begründers der Psychoanalyse, Sigmund Freud, hatte sich Reich in den 30er Jahren auf die Suche nach der körperlichen Verankerung von psychischen Erkrankungen gemacht. Seine wichtigste Entdeckung bestand in der Erkenntnis, dass die innere Unterdrückung von spezifischen Gefühlen durch eine chronische Verspannung von Muskel- und Gewebebereichen im Körper verankert wird. So etwa wird die die psychische Abwehr von Trauerimpulsen („die unterdrückten Tränen“) durch eine dauerhafte Verspannung der Kiefer und Halsmuskulatur aufrecht erhalten.

Auf der Basis dieser Erkenntnisse verlagerte Reich seinen Fokus stark auf die Art und Weisen, wie von ihm begleiteten Patienten die Wahrnehmung und den Ausdruck spezifischer Gefühlsregungen wie Angst, Wut oder Trauer körperlich verhinderten. Wann begannen die Patienten in der Therapie die Luft anzuhalten? Wieso bissen sie in bestimmten Momenten auf die Zähne und was hatte dies zu tun mit der Unterdrückung ihres versteckten Ärgers?

Wilhelm Reich bezeichnete diesen ersten Ansatz in der Entwicklungslinie moderner Körperpsychotherapie als „Vegetotherapie“. Der Begriff verweißt auf den Umstand, dass der Verlust der körperlichen und emotionalen Lebendigkeit eine dauerhafte Veränderung der Regulation des vegetativen Nervensystems führt. Das vegetative oder autonome Nervensystem steuert im menschlichen Organismus ohne Zutun unseres Bewusstseins die Regulation wichtiger Körperfunktionen wie Atmung, Verdauung und Kreislauftätigkeit. Durch wiederholtes Erleben von Zurückweisung, Trennung oder Liebesentzug gerät der Organismus in eine dauerhafte Aktivierung jenes Astes des vegetativen Nervensystems – dem Sympathikus -, welcher für Gefahrenabwehr zuständig ist. Das Problem beginnt somit dann, wenn es dem Körper nicht mehr gelingt, die Aktivierung seines Stress- und Alarmzweigs des Autonomen Nervensystems aufzulösen und zu beruhigen.

Körperorientierte Psychotherapie verlässt sich nicht alleine auf das therapeutische Gespräch. Vielmehr wird durch den Einsatz von Atmung, Körperwahrnehmung, Hautberührungen und Imaginationen mit den Klienten daran gearbeitet, die Quellen seiner Liebes-, Erlebnis- und Ausdrucksfähigkeit wieder zum Fließen zu bringen.